Welches Gemüse soll es denn nun sein?

So, die Anbauplanung für das Gemüsejahr 2018 ist abgeschlossen. Klar, es kann sich noch das eine oder andere verändern, aber im Grossen und Ganzen steht sie. Beim Durchblättern der Saatgutkataloge verspüre ich noch immer eine grosse Freude über diese Vielfalt an Gemüsepflanzen, die da so zur Verfügung stehen. Was der Mensch in Zusammenarbeit mit der Natur durch Züchtung erreichen konnte ist beeindruckend. Das Wort Kultur kommt vom lateinischen Wort ‚cultura‘  was soviel wie ‚Bearbeitung‘, ‚Pflege‘ oder ‚Ackerbau‘ bedeutet. Wir Menschen haben seit Urzeiten in der Auseiandersetzung mit der Natur gewirkt. Die Landwirtschaft als Teil der menschlichen Kultur war dabei über Jahrtausende das zentrale Element. Aus Gräser wurden Getreide, Knollen wurden zu Gemüse, wilde Tiere zu Nutztieren usw.

Dreizelgenwirtschaft, Stallhaltung, Kartoffeln aus Amerika, der wissenschaftliche Nachweis wachstumsfördernder Wirkung von Stickstoff, Phosphat und Kalium und deren industrielle synthetische Erzeugung, Globalisierung, Einsatz anorganischer Salze, Insektizide, Herbizide, Patentierung von Genetik, grüne Revolution, genetische Veränderungen usw. sind weitere Entwicklungen davon.

2018, Gemüseabo vom Gmüeser. Es stellen sich so einige Fragen für mich: Welche Gemüsesorte soll ich auswählen? Samenfeste Sorten der Sativa? Hybride von Bigler Samen? ProSpecieRaria? Hybride ermöglichen ein gleichmässiges Auflaufen, höhere Erträge, gleichmässigeres Aussehen… Samenfeste Sorten sind ein Statement gegen die grossen Saatgutkonzerne, ermöglichen die Weiterzucht, sind keine genetische Sackgasse… ProSpecieRara steht für genetische Vielfalt, Biodiversität, ungleichmässige Formen des Gemüses, oft Anfälligkeiten für Krankheiten…

In etwa 50% des Biogemüses in der Schweiz steckt konventionelles Saatgut. Die Züchtung – der jahrelange ‚Entwicklungsprozess‘ einer Sorte durch Kreuzung und Selektion – erfolgt beinahe ausschliesslich konventionell. Sativa Rheinau und Zollinger sind Schweizer Firmen, die sich für biologische Züchtung in der Schweiz einsetzen. Wir als kleiner Gemüsebetrieb mit Abovermarktung können und wollen versuchen uns hier zu engagieren und kaufen unser Saatgut fast zu 100% von diesen Betrieben.

International hat längt der Endkampf um die Hoheit über das Saatgut begonnen. Bisher konnten die Hersteller ihre Sorten zwar schützen lassen, doch die Samen waren frei für die Zucht, damit die Grundlage des Essens für die Allgemeinheit zugänglich bleibt. Heute können die Hersteller ­eine Eigenschaft patentieren lassen – etwa eine Resistenz gegen Blattläuse. Nun entscheidet der ­Patentinhaber, wer die entsprechenden Sorten zur Weiterzucht oder zur Gemüseproduktion verwenden darf. Wie in der Tierzucht gibt es immer weniger Firmen, die überhaupt noch in diesem Geschäft tätig sind. Als Beispiel: Rund zwei Drittel der weltweit verfügbaren Tomatensorten gehören Monsanto und Syngenta.

Unser Projekt mit den Gemüseabos und dem damit verbunden Gedanken der Vertragslandwirtschaft ermöglicht es mir, bereits bei der Auswahl der Sorten möglichst hohe ethische Priorität walten zu lassen. Trotzdem stehe ich als Produzent in der Verantwortung, Aufwand, Ertrag und Qualität in ein sinnvolles Gleichgewicht zu bringen. Das heisst, auch bei uns wachsen teilweise Hybride (Broccoli, Auberginen, gewisse Tomaten), weil sie mir einfach mehr Sicherheit im Anbau bieten. Dafür nehme ich in Kauf, dass wir bei den Rüebli oft auch krumme dabeihaben. Unsere AbonnentInnen tragen das zum grossen Teil mit. Es ist leicht zu fordern, dass die Bauern auf Hybridzüchtungen, auf Pflanzenschutzmittel, auf Herbizide verzichten sollen, wenn aber beim Einkauf trotzdem nur das schöne, gerade, gleichmässige Gemüse gekauft wird! In unserem System wird wenig weggeschmissen, da wir auch krummes, ungerades Gemüse in die Kisten legen. Den Rest fressen die Kühe oder wird zu Kompost, der wieder auf die Felder gelangt.

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Thomas

 

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