Saison

Mhhh fein! Erdbeeren.

Dieses Bild entstand Mitte März in der Landi in Hallwil. Ähnliche Aufnahmen hätte ich schon Wochen vorher auch bei weiteren Detailhändlern machen können. Draussen schneit es, nicht einmal das Unkraut wächst und im Eingangsbereich der Einkaufsparadiese türmen sich die knallroten Verführerinnen an bester Verkaufslage. So konnte ich dieses Frühjahr in Zürich tatsächlich beobachten, wie eine junge Frau mit Handschuhen Erdbeeren direkt aus dem Holzkistchen naschte. Ach ja, so sehen die Erdbeeren zurzeit bei uns aus.

Wie konnte es soweit kommen? Was hat die Beziehung der Konsumenten zu regional und saisonal überhaupt produzier- oder anbietbaren Waren gestört? Was kann gegen den Einfluss vom marktbestimmenden Sortiment der grossen Detaillisten unternommen werden? Und gäbe es wirklich Aufschreie, wenn nicht schon im April die ersten Kirschen aus Süditalien feil geboten würden?

Wir haben es selber in der Hand, was wir wo und vor allem bei wem einkaufen. Wir können uns informieren und auch unser Umfeld sensibilisieren. Wir können lokale Produzenten unterstützen und Grossverteiler abstrafen. Im übertragenen Sinn nach den Worten von Brecht – „stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin…“ – handeln. Ja, stellt euch vor, es gibt Spargel im Februar, und niemand kauft ihn…!

Und jetzt eine Heidelbeere?

Oder doch noch etwas zu früh?

Gerne gebe ich zu, dass ich Randen, Lauch, Kohl und Co. auch bald gesehen habe. Die Vorfreude auf Broccoli, den ersten Kopfsalat und scharfen Rettich ist gross. Dennoch empfinde ich es als Bereicherung, mich – nicht zuletzt durch mein Mitwirken beim Gmüeser – saisonal ernähren zu können. Zudem bin ich der Meinung, dass es die Natur mit der Saisonalität bestens eingerichtet hat. Geschmäcker und Inhaltsstoffe des regional Kultivierbaren geben dem Körper jederzeit, was er eigentlich bräuchte. Jetzt wäre das wohl Bärlauch.


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Dominik

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Eier färben – einmal anders

Eierfärben gehört einfach zu Ostern! Damit sind für mich viele schöne Kindheitserinnerungen verbunden, ebenso mit dem „Eiertütschen“ und dem anschliessenden Brunch. Leider mag Thomas gekochte Eier überhaupt nicht, weshalb sich der Eierfärbeaufwand für mich allein nicht wirklich lohnt.

Dieses Jahr habe ich eine etwas andere Art von Eierfärben ausprobiert. Ich bin auf amerikanischen Blogs immer wieder auf pinke, mit Randen gefärbte Eier gestossen und wollte dies einmal ausprobieren. Die Eier werden gekocht und geschält in einen Randensud eingelegt. Je nachdem, wie lange man die Eier drin lässt, wird nur die äusserste Schicht pink oder das gesamte Eiweiss verfärbt sich. Die Eier hier auf den Fotos waren ungefähr 24 Stunden eingelegt.

Die gefüllten Eier passen doch perfekt zum kommenden Osterbrunch? Dafür kann man auch gleich den ersten Bärlauch verwenden. Aber es gibt natürlich noch viele andere Möglichkeiten: Als bunter Farbtupfer auf einem Nüsslisalat, in einem Sandwich mit farblich passenden Rettichsprossen, als rosafarbenes Eierbrötli, und und und…

6 Eier

1 mittelgrosse Rande
1l Wasser
1 TL Salz

1 dl Apfelessig

Die Eier 10 Minuten kochen, abschrecken und schälen.

Die Rande schälen und in kleine Würfel schneiden. In 1l gesalzenem Wasser kochen, bis sie gar ist. Den Randensud (inkl. Würfel) abkühlen lassen.

Den Apfelessig und die gekochten, geschälten Eier hinzufügen. Die Eier sollten alle vom Sud bedeckt sein. 12-24 Stunden (oder länger) marinieren lassen.

Für die gefüllten Eier die Eier halbieren. Das Eigelb vorsichtig herauslösen und mit einer Gabel zerdrücken. Mit Joghurt, Senf, Salz und Pfeffer mischen (für 2 Eier: 1 EL Joghurt, 1TL Senf), feingeschnittenen Bärlauch hinzufügen. Die Masse vorsichtig in die Eihälften füllen, mit etwas Bärlauch dekorieren.

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Martina

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Flammkuchen mit Rosenkohlblättern

Seit es den Gmüeser gibt und wir unser eigenes Gemüse anpflanzen, habe ich nicht nur viele neue Sorten kennengelernt, sondern auch Gemüseteile entdeckt, die ich bisher nicht kannte. Im Supermarkt bekommt man das Gemüse gewaschen und gerüstet – das Kraut ist ab, das Gemüse vom Stengel befreit. Man überlegt sich gar nicht genau, was denn sonst noch zur Gemüsepflanze gehört. Ich muss gestehen, dass ich zum Beispiel nicht wusste, wie eine Rosenkohlpflanze genau aussieht. Rosenkohl? Das sind doch diese feinen Röseli, die es im Herbst gibt…

Rosenkohl ist eine wunderschöne, etwas seltsam aussehende Pflanze, die mich ein wenig an eine Palme erinnert. Die kleinen Röschen wachsen an einem dickeren Stiel, die Blätter im oberen Bereich lassen die Pflanze wie eine Palme aussehen. Und ganz oben trohnt ein lockeres, grosses „Röschen“ mit zarten, feinen Blättern. Und dieser kleine Kohlkopf schmeckt ausgezeichnet! Leicht bitter spürt man den Rosenkohl heraus, aber nur ganz dezent. Ich bin grosser Fan, seit ich diesen Teil der Pflanze einmal im Winter mitgenommen habe, als die eigentlichen „Röschen“ bereits alle geerntet waren.

„Leaf to Root“ – also „Vom Blatt bis zur Wurzel“ – ist seit einiger Zeit in aller Munde. Ich finde das Konzept sehr spannend, denn man betrachtet das Gemüse aus einem anderen Blickwinkel: Was gehört sonst noch zur Pflanze? Kann man das essen? Wie könnte man das zubereiten? Gerade im Winter, wenn das frische Gemüseangebot klein ist, ergeben sich dadurch spannenden Möglichkeiten. Trotzdem kommt bei uns immer noch vieles auf den Kompost. Denn den braucht es, damit im nächsten Jahr wieder leckeres Gemüse wächst…

Das (Koch-)Buch „Leaf to Root“ von Esther Kern, Pascal Haag und Sylvan Müller kann ich wärmstens empfehlen. Die Rezepte von Pascal Haag sind sehr inspirierend und Esther Kern erzählt viel Spannendes zu den verschiedenen Gemüseteilen.

In den letzten Tagen habe ich oft mit diesen Rosenkohlblättern gekocht. Hier das Rezept zu einem „Flammkuchen“ mit Rosenkohlblättern, Lauch, getrockneten Tomaten und Haselnüssen. Als Alternative kann man „normalen“ Rosenkohl, Federkohl oder Wirz verwenden. Auch Spinat, Schnittmangold oder Krautstiel würde sich zu einer anderen Jahreszeit anbieten.

Rosenkohlblätter (Alternative: Rosenkohlröschen, Federkohl, Wirz)
Zwei kleine Lauchstangen
4 getrocknete Tomaten
Eine Handvoll Haselnüsse
Olivenöl, Salz, Pfeffer

1dl Crème fraîche
Salz
Pfeffer
Muskatnuss

1 Pizza- oder Flammkuchenteig

Rosenkohl und Lauch in feine Streifen schneiden, in Olivenöl anbraten und mit Salz und Pfeffer würzen. Getrocknete Tomaten in Streifen oder Würfel schneiden, Haselnüsse grob hacken.

Crème fraîche mit Salz, Pfeffer und einer Prise Muskatnuss würzen. Pizza- oder Flammkuchenteig auswallen, Crème fraîche darauf ausstreichen. Rosenkohl-Lauch-Mischung sowie Tomaten und Haselnüsse darauf verteilen.

Im Ofen bei 200°C ungefähr 20 Minuten backen.

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Martina

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Unterwegs

In der letzten Woche war ich einige Tage in Norditalien in den Ferien. Auf der Zugfahrt zwischen Mailand und Venedig hatte ich Zeit mich auf die Landschaft zu konzentrieren. Die vorüberziehenden Felder, die Häuser, Weinberge, Strassen und natürlich die Höfe. Anfangs bemerkte ich sie kaum, da die Bauweise nicht meinem ‚Schweizer-Bild‘ von einem Bauernhof entsprach. Viele Silos mit Hühnerfutter konnte ich erkennen, aber kein Auslauf für die Tiere weit und breit. Kühe waren sichtbar in den meist teilweise offenen Ställen. Die Tiere liefen frei im Stall herum und hatten eine Art Laufhof. Können diese Tiere ab dem Frühjahr auf die Weide? Wohl kaum, wenn ich mir die Landschaft so anschaue. Kaum ein Baum der Schatten spendet, weite offenen Flächen, Ackerland direkt um die Ställe herum.

Können diese Tiere überhaupt einmal richtig nach draussen?

Was fressen denn diese Tiere?

Was denken die Menschen woher ihr Fleisch, ihre Milch und ihre Eier stammen?

Zurück in der Schweiz rollt der Zug gemächlich durch das Tessin. Hügeliges Gebiet. Kleine Rebflächen, in der Magadinoebene stehen Gewächshäuser neben Folientunnels neben Industriebauten neben…. Der Fahrt durch den Neattunnel folgt die Aussicht auf den Vierwaldstättersee. An den Hängen kleben Höfe, kleine Ställe, Güllenschläuche liegen auf den kleinen frisch gedüngten Wiesenparzellen.

Wieviele Tiere hier wohl in den Ställen leben?

Bleibt hier Landwirtschaft ohne innere Aufstockung zukunftsfähig (sprich mehr Tiere pro Fläche)?

Gibt es Alternativen?

Und nun das Mittelland, Einfamilienhäuser stehen neben Kulturflächen, Industriehallen, dann ein Folientunnel eines Biobauern, irgendwo einige Hühner, Strassen, Autos, Schienen. Die Landwirtschaft wird förmlich an die Ränder gedrängt. Bauernhöfe stehen einsam in der Landschaft. Grosse Kuhställe, Hühnerhallen, Ackerflächen eingepfercht zwischen Autobahn, Hauptstrasse und Zuglinien.

Wohin führt uns diese Entwicklung?

Was möchten wir eigentlich für eine Landschaft?

Sind wir in einer direkten Demokratie nicht mitverantwortlich für das, was hier gerade vor sich geht?

Der Seetaler rollt langsam Richtung Hallwil. Die Felder im Ried sind alle begrünt, ein Bauer schneidet seine jungen Hochstammbäume. Ich verlasse den Zug, rieche den Frühling und freue mich so richtig auf die Arbeit mit und in der Natur!

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Thomas

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Hochstammtagung

Im Winter findet der Bauer auch einmal Zeit sich etwas weiterzubilden. Ende Februar besuchte ich die Schweizer Hochstammtagung zum Thema ‚Gepflegte Bäume braucht das Land’.

Anhand des Umgangs des Staates mit den Hochstammbäumen kann man gut sichtbar machen, welchen Einfluss die Landwirtschaftspolitik eigentlich nimmt. Die Eidgenössische Alkoholverwaltung unterstützte seit den 1950er-Jahren Fällaktionen von Hochstammbäumen, weil aus Früchten wie Äpfeln, Birnen, Zwetschgen und Kirschen grosse Mengen an Schnaps produziert worden waren. Die sogenannten Abholzprämien existierten bis Ende der 1980er-Jahre. In den letzten Jahren wurden aufgrund der Unterstützung durch Direktzahlungen (Bio-Diversitätsbeiträge) wieder vermehrt Hochstammbäume gepflanzt. An der Hochstammtagung auf der Liebegg stand nun die fachgerechte Pflege der Bäume, und ihre Wirkung auf die Landschaft, im Zentrum der Debatte. Landwirte, Politiker und Umweltorganisationen setzten sich in den letzten Jahren zusammen, um dem Problem der ungepflegten, neu gepflanzten Feldobstbäume eine rechtliche Grundlage entgegenzusetzen. Sinnvollerweise wird nun in Zukunft bis zum 10. Standjahr ab Pflanzung Folgendes verlangt: Formierung und Schnitt, Stamm- und Wurzelschutz, bedarfsgerechte Düngung sowie eine fachgerechte Bekämpfung von besonders gefährlichen Schadorganismen (Feuerbrand, Sharka).

Ich finde diese Entwicklung äusserst positiv. Was meiner Meinung nach jetzt noch fehlt ist ein Konzept, wie in Zukunft all die anfallenden Früchte für den Landwirt ökonomisch sinnvoll verwertet werden können. Zurzeit wäre Mostobst gerade im Biolandbau gefragt, da aber die Preise für dieses Obst so tief sind, lohnt sich oft das Zusammenlesen der Früchte gar nicht mehr! Mit unseren Baumpatenschaften können wir dem wirksam entgegentreten!

An dieser Tagung bekam ich die Möglichkeit trotz eisiger Kälte und starker Bise unser Projekt ‚Wildobstarboretum’ vorzustellen. Die Idee Wildobst als Erwerbskultur anzubauen traf auf reges Interesse. Ich bin gespannt, wie sich unser Projekt weiter entwickeln wird.

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Thomas

Welches Gemüse soll es denn nun sein?

So, die Anbauplanung für das Gemüsejahr 2018 ist abgeschlossen. Klar, es kann sich noch das eine oder andere verändern, aber im Grossen und Ganzen steht sie. Beim Durchblättern der Saatgutkataloge verspüre ich noch immer eine grosse Freude über diese Vielfalt an Gemüsepflanzen, die da so zur Verfügung stehen. Was der Mensch in Zusammenarbeit mit der Natur durch Züchtung erreichen konnte ist beeindruckend. Das Wort Kultur kommt vom lateinischen Wort ‚cultura‘  was soviel wie ‚Bearbeitung‘, ‚Pflege‘ oder ‚Ackerbau‘ bedeutet. Wir Menschen haben seit Urzeiten in der Auseiandersetzung mit der Natur gewirkt. Die Landwirtschaft als Teil der menschlichen Kultur war dabei über Jahrtausende das zentrale Element. Aus Gräser wurden Getreide, Knollen wurden zu Gemüse, wilde Tiere zu Nutztieren usw.

Dreizelgenwirtschaft, Stallhaltung, Kartoffeln aus Amerika, der wissenschaftliche Nachweis wachstumsfördernder Wirkung von Stickstoff, Phosphat und Kalium und deren industrielle synthetische Erzeugung, Globalisierung, Einsatz anorganischer Salze, Insektizide, Herbizide, Patentierung von Genetik, grüne Revolution, genetische Veränderungen usw. sind weitere Entwicklungen davon.

2018, Gemüseabo vom Gmüeser. Es stellen sich so einige Fragen für mich: Welche Gemüsesorte soll ich auswählen? Samenfeste Sorten der Sativa? Hybride von Bigler Samen? ProSpecieRaria? Hybride ermöglichen ein gleichmässiges Auflaufen, höhere Erträge, gleichmässigeres Aussehen… Samenfeste Sorten sind ein Statement gegen die grossen Saatgutkonzerne, ermöglichen die Weiterzucht, sind keine genetische Sackgasse… ProSpecieRara steht für genetische Vielfalt, Biodiversität, ungleichmässige Formen des Gemüses, oft Anfälligkeiten für Krankheiten…

In etwa 50% des Biogemüses in der Schweiz steckt konventionelles Saatgut. Die Züchtung – der jahrelange ‚Entwicklungsprozess‘ einer Sorte durch Kreuzung und Selektion – erfolgt beinahe ausschliesslich konventionell. Sativa Rheinau und Zollinger sind Schweizer Firmen, die sich für biologische Züchtung in der Schweiz einsetzen. Wir als kleiner Gemüsebetrieb mit Abovermarktung können und wollen versuchen uns hier zu engagieren und kaufen unser Saatgut fast zu 100% von diesen Betrieben.

International hat längt der Endkampf um die Hoheit über das Saatgut begonnen. Bisher konnten die Hersteller ihre Sorten zwar schützen lassen, doch die Samen waren frei für die Zucht, damit die Grundlage des Essens für die Allgemeinheit zugänglich bleibt. Heute können die Hersteller ­eine Eigenschaft patentieren lassen – etwa eine Resistenz gegen Blattläuse. Nun entscheidet der ­Patentinhaber, wer die entsprechenden Sorten zur Weiterzucht oder zur Gemüseproduktion verwenden darf. Wie in der Tierzucht gibt es immer weniger Firmen, die überhaupt noch in diesem Geschäft tätig sind. Als Beispiel: Rund zwei Drittel der weltweit verfügbaren Tomatensorten gehören Monsanto und Syngenta.

Unser Projekt mit den Gemüseabos und dem damit verbunden Gedanken der Vertragslandwirtschaft ermöglicht es mir, bereits bei der Auswahl der Sorten möglichst hohe ethische Priorität walten zu lassen. Trotzdem stehe ich als Produzent in der Verantwortung, Aufwand, Ertrag und Qualität in ein sinnvolles Gleichgewicht zu bringen. Das heisst, auch bei uns wachsen teilweise Hybride (Broccoli, Auberginen, gewisse Tomaten), weil sie mir einfach mehr Sicherheit im Anbau bieten. Dafür nehme ich in Kauf, dass wir bei den Rüebli oft auch krumme dabeihaben. Unsere AbonnentInnen tragen das zum grossen Teil mit. Es ist leicht zu fordern, dass die Bauern auf Hybridzüchtungen, auf Pflanzenschutzmittel, auf Herbizide verzichten sollen, wenn aber beim Einkauf trotzdem nur das schöne, gerade, gleichmässige Gemüse gekauft wird! In unserem System wird wenig weggeschmissen, da wir auch krummes, ungerades Gemüse in die Kisten legen. Den Rest fressen die Kühe oder wird zu Kompost, der wieder auf die Felder gelangt.

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Thomas

 

Landwirtschaft, Gmüeser und ich

Was fliesst da alles in unser Wasser? Wieso werden Tiere in solchen Ställen gehalten? Was geschieht mit unseren Böden? Wer schreddert all diese armen Küken? Weshalb gibt es immer weniger Bienen? Immer trockenere und wärmere Sommer, woher kommt das? Bauern bekommen Geld von uns, für was denn eigentlich genau? Ich möchte wissen, woher mein Essen kommt! Ich will nicht, dass Tiere schlecht behandelt werden! Weshalb ist Bio so teuer?

Ihr alle kennt diese Fragen und Forderungen. Die Landwirtschaft steht dabei zentral in der Verantwortung. Unsere Umwelt (Wasser, Boden, Luft), unsere Nahrung (Pflanzen, Gestreide, Milch, Fleisch, Eier etc.) und unsere Landschaft werden von ihr beeinflusst. Diese Erkenntnis hat mich dazu gebracht zusammen mit Dominik und Martina das Projekt Gmüeser zu starten. Es ist meine Motivation! In der Tätigkeit mit Tier und Boden lässt sich einiges bewirken.

Die Menschen haben sich in den letzten Jahrzenten immer mehr von der Landwirtschaft entfernt, auch mir ging das so. Die technologische, kapitalistische Entwicklung hat interessantere Dinge hervorgebracht als die Herstellung von Nahrung. Diese ist einfach da. Im Regal des Supermarktes, beim Take-Away, im Restaurant um die Ecke, am Markt etc.

Ansprüche steigen. Wir möchten ‚gesund‘ essen. Unsere Umwelt soll nicht zerstört werden. Dank direkter Demokratie dürfen wir Schweizer Bürger entscheiden, wie die Landwirtschaft der Schweiz sein soll: produzierend, ernährungssichernd, von Familien geführt, dezentrale Besiedlung (Dörfer, Weiler, Alpen…), Ökologie, Tierschutz usw. Doch wisssen wir eigentlich was in der Realität genau passiert?

Die Landwirtschaftspolitik des Bundes hat in den letzten Jahren zu einer Art Scheinökologisierung der Subventionen geführt.  Für die Umwelt gab es kaum Verbesserung, dafür vor allem neue Regelungen für die Bauern, was zu hoher Frustration führt. Zum Beispiel gibt es Beiträge für die sogenannte ‚Bodenschonende Bewirtschaftung‘. Darunter fällt die Behandlung des Bodens mit dem bekannten Herbizid Glyphosat, wenn dafür auf den Pflug verzichtet wird (nur der Biobetrieb verzichtet übrigens auf Glyphosat, nicht die IP-Bauern). Die Politik zeigt keine langfristige Strategie, vielmehr kommt es einem  ‚Herumgeeiere‘ gleich. Verbände, Interessengruppen und Politiker kämpfen letzendlich um die Verteilung des Geldes. Denn ohne steuerndes Geld für die Landwirtschaft, nur mit Gesetzen und Vorschriften, wird die Produktion von Nahrungsmitteln letztendlich ins Ausland verlagert. Wo bleibt dann noch der Einfluss auf die Qualität unseres Essens?

Durch Schutz unserer Umwelt (Boden, Wasser, Luft, Landschaft) und der Tiere stiften wir Landwirte ‚öffentliche Güter‘, die wir nicht über den Markt entlohnt bekommen. Der Weizen für unser Brot, das Poulet im Coop kann auch aus dem Ausland importiert werden. Dafür braucht es andere Einnahmequellen. Statt Direktzahlungen für Flächen die ‚landwirtschaftlich genutzt‘ werden (grasen, weiden, ackern etc.) plädiere ich für ein Prämiensystem, welches gesellschaftlich gewünchte Leistungen  honoriert. Hier kommen die Konsumentinnen und Konsumenten zum Zuge. Was wären denn gesellschaftlich gewünschte Leistungen? Schöne Landschaften? Sauberes Wasser? Tier-, Umweltschutz? Die Gesellschaft muss formulieren, was sie von den Landwirten will! Doch ist sie dazu in der Lage? Ich bin da skeptisch. Zu romantisch sind leider die Vorstellungen. Die Landwirtschaft wie sie in Kinderbüchern, Filmen, Postkarten etc. gezeigt wird hat überhaupt nichts mehr mit der heutigen Zeit zu tun. Die Preise für Lebensmittel sind stark gesunken. Immer grössere Betriebe entstehen. Höfe verschwinden. Immer neue chemische Hilfsmittel werden eingesetzt. Die Mechanisierung schreitet voran. Nahrung kann aus der ganzen Welt zu günstigen Preisen importiert werden.

Die Landwirtschaft und ihre KonsumentInnen müssen dringend in einen Dialog treten. Interesse zeigen für das, was da auf unseren Feldern, mit unserem Essen passiert. Ich bin bereit mich euren Fragen zu stellen. Kommt vorbei in Hallwil und schaut euch an, wie so eine Nutztierhaltung aussieht. Wo die Schwierigkeiten liegen (siehe Text). Betrachtet unsere Gemüsefelder, seht selbst wie aufwendig Handarbeit ist. Wenn das Unkraut im Dinkel spriesst und die Nachbarbauern danke Glyphosat einen ’sauberen‘ Acker vorweisen können. Wir stehen alle in der Verantwortung. Wir entscheiden, wie es mit unserem Planeten weitergehen wird. Die Landwirtschaft ist Teil des Problems, kann aber auch ein wichtiger Teil der Lösung sein. Doch nur wenn die KonsumentInnen verstehen, wo die Herausforderungen liegen, und die Bürger als politische Personen dies auch einfordern.

Kleine Initiativen sind wichtig. Vertragslandwirtschaftsprojekte. Genossenschaften usw. Doch lassen wir uns auch nicht täuschen von diesen Erfolgen. Die globalen Agrarkonzerne machen weiter. Es braucht dringend auch PolitikerInnen, welche die skizzierten Themen glaubhaft vertreten!

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Thomas

 

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Wintermorgen

Die Felder ruhen. Die Tage sind kurz. Es ist kalt. Der Bauer kriecht am Morgen irgendwann vor 6 aus dem Bett. Dunkel ist es. Der Kaffee tröpfelt aus der Maschine, ein Stück Brot liegt auf dem Tisch. Irgendwelche Informationen zu Trump, Brexit und dem Verkehr dringen aus dem Äther an sein Ohr. Kurzer Blick auf Emails, Wetter und den Sportresultaten der letzten Nacht.

Die Arbeitsklamotten sind im kalten Keller, es gibt sicher angenehmeres. Jacke, Kappe, Handschuhe sind angezogen, das Velo steht bereit, es geht los in Richtung Stall. Der Nebel ist dicht heute morgen. Gut tun sie, diese Pedalentritte. Der Körper erwacht, die Sinne werden geschärft, langsam verschwindet die Müdigkeit. Beim Stall angekommen öffnet er die Türe zum ehemaligen Milchraum, macht das Licht an und verschwindet mit dem bereitgestellten Hühnerfutter in Richtung Hühnerwagen. Dank des künstlichen Lichtes im Stall sind die Hühner bereits wach. Die Meisten sitzen noch auf den Stangen, drei, vier junge, braune Hybridhühner sind aber bereits auf der Scharrfläche und erwarten das neue Futter. Es ist nicht so, dass da kein Futter mehr wäre, aber im Neuen hat es noch Körner, übrig lassen sie immer das Mehl. Nachdem er das Legenest geöffnet und neues Wasser gebracht hat, geht der Bauer in Richtung Kuhstall. Ein erster Blick in die Runde, ein ‚Guete Morge zäme‘, Fressgitter schliessen und die Kühe kommen an den Fressplatz. Starke Kühe wie Fiesta, Chrüsi und Corona nehmen immer die ersten drei Plätze ein, die schwächeren Tiere reihen sich danach ein. Etwas Grassilage und einiges Heu in den Fessbalken und die Kühe sind erstmal zufrieden. Die Kälber und Jungrinder erhalten dasselbe Futter in der Raufe und ihrem eigenen kleinen Fressbereich. Ein kurzer Gang hinter den Tieren ermöglicht es dem Bauern zu sehen, ob es allen gut geht, Verletzungen, mögliches Abkalben können gleich erkannt werden. Dann gehts mit der Mistgabel, Stroh, Miskarrette und Güllenschieber ab in den Stall. Liegeboxen reinigen, den Stallboden von Gülle und Mist befreien und dabei immer ein Blick auf die jungen Tieren, ein Wort da, ein Streicheln dort und die Arbeit vergeht wie im Fluge.

Neues Heu nachreichen, Stroh und Heu von der Heubühne runterschieben, Kühe und Kälber striegeln, das sind die weiteren Arbeiten. Beim Striegeln der Tiere lassen sich gut die Eigenschaften der einzelnen Tiere studieren. Eine beruhigende Wirkung stellt sich ein, sowohl für den Menschen als auch für die Tiere. Ob die Tiere gesund sind, kurz vor dem Abkalben stehen usw. lässt sich bei der Kontrolle der Kühe herausfinden.

Die schwächeren Tiere verlassen das Fressgitter sofort wenn es wieder geöffnet wird. Die starken Tiere wie Fiesta, Chrüsi, Corona und Zora teilen dann vorerst die Reste noch unter sich auf. Andere suchen die Tränke, Kratzbürste oder ihr junges Kalb auf. Der Bauer bleibt noch etwas im Stall, sieht dem Treiben zu und freut sich!

Hühner aus dem Stall lassen, Stiefel und Stalljacke ausziehen und dann ab aufs Velo zurück in die warme Stube: Planung, Emails, Dokumente, Kaffee etc. warten bereits.

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Thomas

 

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Angebot Woche 51

Und nun endet diese Woche auch die Abosaison in Hallwil, Lenzburg und Aarau. Ich hoffe das Angebot hat euch gepasst, die Qualität war gut und es gab genügend Abwechslung. Von meiner Seite möchte ich allen Abonnentinnen und Abonnenten für den reibungslosen Ablauf ein grosses Lob aussprechen. Es ist nicht selbstverständlich, dass das Ganze mit 60 beteiligten Parteien so gut funktioniert. Bitte denkt daran die leeren Kisten bis Ende Jahr wieder an die Standorte zurückzustellen. Danke!

Mittwoch

Kürbis, Randen (Chioggia, weisse), Sellerie, Rüebli und Federkohl

Das wärs! Ich wünsche euch allen schöne Festtage!

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Thomas

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Angebot Woche 50

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Damit enden auch unserer Abos. Am kommenden Samstag finden die letzten Lieferungen nach Sursee, Schlierbach und Nebikon statt. Der darauffolgende Mittwoch 20.12. ist der letzte Liefertermin für Aarau, Lenzburg und Hallwil. Ich hoffe die Saison war für unsere Abonnentinnen und Abonnenten in Ordnung. Aus unserer Sicht muss ich feststellen, dass wir dank des Wetters zum Teil wirklich gute Erträge hatten. Ich bin gespannt wie sich das nächstes Jahr präsentieren wird.

Mittwoch

Kabis oder Sellerie

Schwarzwurzeln oder Wurzelpeterli

Bodenkohlrabi

Lauch

Rüebli (Gniff, orange, Longue Jaune, Purple Haze, Küttiger)

Zwiebeln

 

Samstag

Kürbis

Federkohl

Randen

Rüebli

Sellerie

Nüssler (wenn kein Schnee liegt!)

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Thomas